Stadt Wasserburg am Inn

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Neuwahlen beim Heimatverein - Verabschiedung von Peter Rink

Reitersiegel Graf Dietrich von Wasserburg aus dem Jahr 1204 mit Rauten auf dem Schild, BayHStA, Urkunden Attel 10. Foto: Daniel Rittenauer. Lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.
Reitersiegel Graf Dietrich von Wasserburg aus dem Jahr 1204 mit Rauten auf dem Schild, BayHStA, Urkunden Attel 10. Foto: Daniel Rittenauer. Lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

...und Vortrag zur Herkunft des Bayerischen Rautenwappens aus Wasserburg

Dr. Sebastian Dietz referierte dieser Tage beim Historischen Verein und veröffentlichte gleichzeitig einen Beitrag über das Bayerische Rautenwappen und Wasserburg im Historischen Lexikon.

Seit dem Spätmittelalter verwendete das bayerische Herrscherhaus den weiß und blau schräg gerauteten Schild als Wappen. Bis in die Gegenwart wird dieser im großen und kleinen Staatswappen als Hoheitssymbol des bayerischen Staates verwendet. Darüber hinaus sind die Rauten das allgemein anerkannte, vielfach verwendete Symbol für Bayern. Zum ersten Mal nutzte der Wittelsbacher Ludwig II. der Strenge (* 13. April 1229 in Heidelberg, † 2. Februar 1294 ebd., ab 1253 Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein) den Rautenschild in seinem Siegel an einer Urkunde für das Kloster Seeon vom 19. November 1247. Noch vor den Wittelsbachern sind Rauten in den Siegeln der Grafen von Wasserburg und einigen niederadeligen Geschlechtern in der Oberpfalz zu sehen, das Wappen der Grafen von Bogen wird gemeinhin auch als Rauten interpretiert.

Die Herkunft der Wittelsbacher Rauten wurde seit dem 18. Jahrhundert in Gelehrtenkreisen diskutiert. Nachdem anfänglich eine Herleitung von Heinrich dem Löwen oder gar den Bajuwaren im Raum stand, setzte sich am Ende einer über hundert Jahre anhaltenden Diskussion der Fachwelt eine Abstammungsthese durch, die eine Übernahme der Rauten durch die Wittelsbacher von den älteren Wappen der Wasserburger oder Bogener Grafen annahm. Georg Maria von Jochner, der letzte Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns zur Zeit der Monarchie und wohl seinerzeit bedeutendste bayerische Heraldiker, vertrat die Wasserburger Abstammung. Diese geriet seit der Neugestaltung des Staatswappens 1950 jedoch in Vergessenheit, denn damals wurde eine Herkunft von den Grafen von Bogen als Faktum in die Symboldeutung aufgenommen, ohne dass dafür irgendein Nachweis erbracht werden konnte. Gegenwärtig wird die Bogener These auch in der Wissenschaft allzuoft ohne Begründung oder Angabe von Quellen rezipiert und ihre Gültigkeit schon als selbstverständlich angenommen. Hingegen sprechen aber vier Gründe eindeutig für die Wasserburger These, die Sebastian Dietz anhand vieler Fotobelege und nach Einsichtnahme der Original-Siegelüberlieferung vorstellte:

  • Das erste Wittelsbacher Rautensiegel taucht zeitlich unmittelbar nach der Eroberung der Wasserburger Grafschaft auf
  • Ausstellungsorte und Adressaten der Urkunden Herzog Ludwigs, an denen sein Rautensiegel angebracht ist, sind häufig im Wasserburger Umland
  • In überlieferten Siegelwappen der Wasserburger Grafen sind eindeutig rhombenförmige Rauten zu sehen, während es sich beim Wappen der Grafen von Bogen eher um ein Schachbrett oder Gittermuster handelt
  • Die Tradition des Wasserburger Hausklosters Klosters Attel, das ab 1440 die Rauten seiner Stifter in den überlieferten Farben Weiß-Blau weiterführt


Die mit vielen Quellen belegten Erkenntnisse können ab sofort unter https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg nachgelesen werden.



Die neu gewählte Vorstandschaft v.l.n.r.:
Stefanie König, Franz Quirin Meyer, Robert Obermayr (2. Vorsitzender), Museumsleiterin Sonja Fehler (geborenes Mitglied), Inge Löfflad, Dr. Hans Hinterberger, Kreisheimatpflegerin Dr. Evelyn Pechinger-Theuerkauf (geborenes Mitglied), Witgar Neumaier (Abteilungsleiter Kellerfreunde), Otto Zwiefelhofer, Mischa Schubert (Schatzmeister), Markus Reheis, Konrad Doser (Schriftführer), Stadtarchivar Matthias Haupt (1. Vorsitzender). (Nicht auf dem Foto: 1. Bürgermeister Michael Kölbl (geborenes Mitglied).
Die neu gewählte Vorstandschaft v.l.n.r.:
Stefanie König, Franz Quirin Meyer, Robert Obermayr (2. Vorsitzender), Museumsleiterin Sonja Fehler (geborenes Mitglied), Inge Löfflad, Dr. Hans Hinterberger, Kreisheimatpflegerin Dr. Evelyn Pechinger-Theuerkauf (geborenes Mitglied), Witgar Neumaier (Abteilungsleiter Kellerfreunde), Otto Zwiefelhofer, Mischa Schubert (Schatzmeister), Markus Reheis, Konrad Doser (Schriftführer), Stadtarchivar Matthias Haupt (1. Vorsitzender). (Nicht auf dem Foto: 1. Bürgermeister Michael Kölbl (geborenes Mitglied).

Im Anschluss an den Vortrag hielt der Verein die satzungsgemäß vorgeschriebene Mitgliederversammlung mit Neuwahlen ab.
Peter Rink, seit Dezember 2013 Erster Vorsitzender des Vereins kandidierte aus Altersgründen nicht mehr für das Amt und verabschiedete sich im Rahmen der Sitzung aus dieser Funktion. Einstimmig neu gewählt wurden der bisherige geschäftsführende Vorsitzende Matthias Haupt als Erster Vorsitzender und Robert Obermayr als Zweiter Vorsitzender. Weiterhin wurden die beiden Historiker Franz Quirin Meyer und Dr. Hans Hinterberger neu in die Vorstandschaft gewählt. Meyer, der beruflich als Fachbetreuer Geschichte/Politik am Luitpold-Gymnasium wirkt und Hans Hinterberger, der als Redakteur für den Bayerischen Rundfunk tätig ist, wollen ihre fachliche Expertise künftig in den Verein einbringen.

Werner Gartner (li.) und Matthias Haupt (re.) danken Peter Rink (Mitte) im Namen der Stadt und des Vereins und überreichen u.a. die Ehrenmedaille für
Werner Gartner (li.) und Matthias Haupt (re.) danken Peter Rink (Mitte) im Namen der Stadt und des Vereins und überreichen u.a. die Ehrenmedaille für "herausragende Verdienste um den Heimatverein Wasserburg am Inn".

Nach den Wahlen wurde Peter Rink mit großem Dank für sein Engagement und die „herausragenden Verdienste um den Heimatverein Wasserburg am Inn“ gewürdigt.
Matthias Haupt betonte in seiner Laudatio und im Namen des Vereins, dass Rink mit der Pflege des Wissens um Herkunft, Geschichte und Migrationsgeschichte, insbesondere auch der Weitergabe dieses Wissens an junge Menschen zur Vermittlung von kulturellen Standpunkten beigetragen habe. In den Anfangsjahren seiner Vorstandschaft noch im aktiven Schuldienst tätig, habe er als Leiter des Luitpold-Gymnasiums Schule, Verein und Verwahrer des Kulturerbes (Museum und Stadtarchiv) verknüpft. Haupt erinnerte an die zahlreichen Veranstaltungen, die Rink nicht nur als Vorsitzender, sondern auch als aktiv Forschender in den Verein hineingetragen habe. Als Historiker, der seinen Interessensschwerpunkt in der politischen Geschichte und der Zeitgeschichte sähe, „nahm Peter Rink sich im Verein vor allem der Vermittlung der Regionalgeschichte des 20. Jahrhunderts an“.
Auch wenn es nun für den Verein hieße, zu respektieren, dass „Peter sich aus der Funktion des Vorsitzenden zurückzieht“, bedeute dies lange nicht, „dass wir uns von dir als aktives Mitglied verabschieden müssten“, so Haupt: denn, nachdem Rink über ein Jahrzehnt hinweg zahlreiche Interviews mit Wasserburger Bürgerinnen und Bürgern geführt habe, die über ihr Erlebtes in der Innstadt etwa in der Zeit vom Ende des zweiten Weltkrieges bis in die 1980er Jahre hinein Auskunft gaben, sei die Planung, diese Erfahrungsberichte in Buchform in der Reihe Heimat am Inn zum Nachlesen herauszugeben.

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner dankte „dem Philosophen Rink“ im Namen der Stadt. Er erinnerte u.a. an den Werdegang des 1952 in Berlin geborenen und dort aufgewachsen Heimatvereinsvorsitzenden. Das Studium der Germanistik, Geschichte und Politischen Wissenschaften in Erlangen und in Freiburg seien schon „gute fachliche Voraussetzungen für den Heimatverein Wasserburg zu späterer Zeit“ gewesen. Werner Gartner, selbst Heimatvereinsmitglied, blickte auch auf die von Peter Rink alljährlich „wirklich toll organisierten Mehrtagesfahrten“ zurück: „Ab 2017 kann ich sie alle aufzählen, da ich immer mit meiner Frau dabei war“, so Gartner. „Es ging 2017 nach Venetien, dann in die Steiermark/Graz – wiederum ein Jahr später in die Pfalz und nach der Corona-Pandemie 2022 ins Burgund, 2023 nach Niederösterreich ins Weinviertel und 2024 an den Bodensee.
Als Peter Rink 2019 als Leiter des Luitpold-Gymnasiums in den Ruhestand ging, sei er von der Presse gefragt worden: „Und wie stellt sich Rink das Leben ab August vor“ (ohne Schule): „Er freue sich auf die frei verfügbare Zeit…“, sei die Antwort damals gewesen und davon habe Peter Rink nun eine ganze Menge in den Heimatverein gesteckt, so Gartner dankend: „Rink, der Historiker, so möchte ich ihn heute bezeichnen geht abermals in Rente - und wie stellt sich Peter Rink das Leben ab März vor“ fragte Werner Gartner in den gut gefüllten Gimplkeller hinein und gab die Antwort – die Einschätzung Haupts teilend, dass Rink sich auch weiterhin im Heimatverein engagieren würde – gleich selbst: „Zumindest die Fahrt mit dem Heimatverein nach Südtirol im Herbst 2025“, sei schon mal sicher, so der Bürgermeister.

Der lang anhaltende Applaus der Mitglieder rührte auch den scheidenden Vorsitzenden sichtlich, der sich bei ‚seinen Mitgliedern‘ und ‚seiner Vorstandschaft‘ für die vielen Jahre des gemeinsamen Wirkens bedankte.

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